Die Geschichte des Ortes Kemnitz
Kemnitz wird zum ersten Mal 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV erwähnt, und bemerkt, dass der Pfarre eine Pfarrhufe zusteht. Das deutet darauf hin, dass die Kirchengemeinde Kemnitz ursprünglich eine selbstständige Pfarre (Matergemeinde) gewesen ist. Jedoch ab 1450 gehört sie als Filialgemeinde zu Phöben und ab 1541 kam sie zu Groß Kreutz. Dabei blieb es für Jahrhunderte; seit 2004 wird sie von Töplitz betreut. Die Ortsgeschichte von Kemnitz ist zunächst durch einen häufigen Besitzwechsel zwischen den Familien von Rochow, von Görne sowie v. d. Marwitz gekennzeichnet. Ab 1735 gelangt Gut und Dorf Kemnitz in den Besitz der Familie von Britzke. Verschiedene Ausstattungsstücke der Kirche erinnern bis heute an diese letzte Gutsbesitzerfamilie.

Die Kemnitzer Kirche steht inmitten auf dem seit 1935 nicht mehr belegten Kirchhof, der zu einer Rasenfläche umgestaltet wurde, von dem nur noch einzelne ältere Grabmale erhalten sind. Die Umfassungsmauern des Gebäudes stammen aus dem Spätmittelalter und haben die für das späte 15. und frühe 16. Jahrhundert typische Form des Mischmauerwerks aus unregelmäßig versetzten gespalteten Feldsteinen und Backsteinmaterial. Nur sehr große Steine wurden im Westen als Ecksteine verwendet; die östlichen Gebäudeecken und die Laibungen der früheren Fenster bestehen aus Backsteinen. Aus der gleichen Zeit stammen die auf der Ostseite durch die Aufbringung von Kalkschlämme heute nicht mehr sichtbaren zwei Spitzbogenfenster mit Backsteinlaibung. Vermutlich ließ Friedrich von Görne die Kirche nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederherstellen. 1747 wurde die Kirche zusammen mit dem Dorf durch einen Brand zerstört. Für den Wiederaufbau 1755-1756 bewilligte König Friedrich I. eine Kollekte, da der Gutswirtschaft das dafür nötige Geld fehlte. Damals wurden die Umfassungsmauern um etwa einen Meter in Ziegelmauerwerk erhöht. Gleichzeitig entstanden das bis heute erhaltene Dach sowie der mächtige westliche Fachwerkturm. Eine erhaltene Inschrift nennt mit dem Zimmergesellen Johann Gottfried Schneider einen der beteiligten Handwerker. Spätestens zu dieser Zeit erhielten auch die Öffnungen ihre jetzige Form. Bei der Erneuerung des Turms 1837 durch Zimmermeister Schultze sen. aus Lehnin wurde die barocke Kuppelhaube aus Kostengründen durch ein einfaches Zeltdach ersetzt. Die Holzschindelbedachung wurde wegen der Brandgefahr durch Ziegel ersetzt. Im 19. Jahrhundert wurde die Westseite des Turms in Ziegeln erneuert. An Stelle des niedrigen alten Grabgewölbes unter der Kirche entstand nach dem letzten Dorfbrand Ende des 19. Jahrhunderts auf der Nordseite ein Erbbegräbnis der Familie von Britzke. In dieser wurde als letzter der am 08.02.1946 verstorbene Hans von Britzke beigesetzt. Da Reparaturmittel fehlten, wurde der neugotische Putzbau, nach Umbettung der Toten auf dem Friedhof 1983, abgerissen. Die heutige Situation ist im Wesentlichen durch die Restaurierungsarbeiten im Jahre 2001-02 entstanden. Unter Leitung von Aksel Wolfram und Michael Nocolai wurden Turm und Dachwerk saniert, die Westseite des Turms in Fachwerk wiederhergestellt, Fenster repariert und das Innere instandgesetzt; die Außenmauern erhielten entsprechend der Fassung des 18. Jh. eine rötliche Kalksteinschlämme.

Das Innere der Kirche – ein kleiner, relativ breiter Saalbau mit verbretterter Decke von 12 x 9 m - besitzt eine meist in Weißtönen gefasste, vollständig Einrichtung. Im Norden der Ostwand fäält eine flachbogige mittelalterliche Sakramentsnische mit Angeln der nicht erhaltenen Tür ins Auge. Der nach 1945 in Beton erneuerte Fußboden erhielt bei der letzten Restaurierung einen Belag aus rötlichen quadratischen Tonsteinen. Der Kanzelalter aus dem Jahre 1756, ergänzt 1798, ist ein schlichter Holzaufbau mit polygonalen Kanzelkorb, bestehend aus flachen dorischen Pilastern; einen Aufsatz mit Palmetten dekoriert und einem Schalldeckel mit dem geschnitzten Wappen der Familie von Britzke (sechszackiger Stern). Davor stehen Altarschranken mit Brettbalustern. Auf dem Altar steht ein kleines gusseisernes Altarkreuze aus dem 19. Jahrhundert und ein Altarleuchterpaar aus Zinn mit den Initialen „J.F.W.V.B.“ aus dem Jahre 1735.

Besonders interessant sind das Gestühl und die Logen, Es ist vermutlich im Zuge der Kirchenreparatur 1798 entstanden. Das einfache Gemeindegestühl ist zwecks optimaler Platzausnutzung in einem größeren nördlichen und einem kleinen südlichen Block angeordnet, und besteht z. T. aus Klappsitzen. Im Kontrast dazu ist entlang der Nord- und Südwand jeweils ein logenartig umschränkter Sitzbereich angelegt. Ganz im Osten der Nordseite befindet sich die Patronatsloge mit Brettbaluster-Abschluss, daran anschließend die Bank der fünf Hofbesitzer. Und schließlich befindet sich auf Südseite beim Kanzelaufgang der Pfarrsitz, ebenfalls mit Balusterspitze. Das Innere bietet durch diese vollständig bewahrte Einrichtung des 18. und 19. Jahrhunderts das Bild einer bescheidenen und anheimelnden kirchlichen Kirchenraum. Verschiedene Zeugnisse erinnern an die über zweihundert Jahre dauernde Prägung des Ortes durch die Gutsbesitzerfamilie von Britzke. Aufgrund der geringen Größe des Baues wurde durch ein ausgeklügeltes System für genügend Sitzplätze gesorgt. Zugleich werden daran auch die sozialen Unterschiede innerhalb einer früheren Dorfgesellschaft in einer heute seltenen Weise nachvollziehbar.

Wahrscheinlich ist 1798 auch als Teil der anderen späteren Ergänzungen die dreiseitige, auf einfachen Holzsäulen ruhende, Empore eingebaut worden. Ihre Brüstungen bestehen aus schlichten Rechteckfeldern. Drei Gefallenen Gedenktafeln erinnern an die im Befreiungskrieg (1813-1814) sowie im 1. und 2. Weltkrieges Gefallenen Kemnitzer. Die jetzige Glocke wurde von der Fa. Radler aus Hildesheim 1933 als Ersatz für eine 1917 abgegebene, 1755 von Christian Daniel Heintze aus Berlin gegossene Glocke (Geschenk der Familie von Britzke), angeschafft.
Der Text wurde dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von Dr. Dietmar Bleyl.

 

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